Japan - Korea - Vietnam
Lernen im Zeichen des Drachen oder Pax Nipponica?
Teil 1 - Von Rainer Werning
Japan gelang nicht nur seit Mitte des letzten Jahrhunderts der Anschluß an die "westliche Moderne"; als Besiegter des 2. Weltkrieges vermochte es alsbald seine ökonomische Machtstellung in Ost- und Südostasien wiederzuerlangen und schickt sich heute - nach dem Rückzug der Amerikaner aus den Philippinen und der Ausdünnung ihrer Streitkräfte in Ostasien - an, in der Region eine politische "Ordnungs"macht ersten Ranges zu werden.
Die im Januar dieses Jahres in der thailändischen Hauptstadt Bangkok verkündete und nach dem gerade zurückgegetretenen Ministerpräsident benannte Miyazawa-Doktrin entwirft die Grundzüge Tokios künftiger Asien-Pazifik-Politik und zielt bereits heute auf Japans verstärktes diplomatisches, politisches wie wirtschaftliches Engagement in den drei indochinesischen Staaten Vietnam, Kambodscha und Laos.
Gleichzeitig galt und gilt Japan - vor allem seinen asiatischen und pazifischen Anrainern - als wirtschaftliche Erfolgsstory par excellence. Die sogenannten "vier Drachen" (Hongkong, Singapur, Taiwan, Südkorea) orientieren sich, wenngleich mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen, am japanischen "Modell" - vorrangig der langjährige "Frontstaat gegen den Kommunismus", Südkorea.
Als Newcomer in der "Drachenfamilie" empfiehlt sich Vietnam - sehr zum Leidwesen der einst engsten Mitarbeiter Ho Chi Minhs. Das vor über zwei Jahrzehnten vielkehlig und emphatisch skandierte Ho-Ho-Ho-Chi-Minh wird zunehmend durch eine sämtliche Poren der vietnamesischen Gesellschaft durchdringende Politik des Ho-Ho-Ho-Chi-Honda ersetzt.
"Der Führer Asiens"
Die Meiji-Periode (ab 1868), da das alte Edo zur Hauptstadt Tokio avancierte, bildete aus heutiger Sicht den Rahmen für tiefgreifende technische und industrielle Neuerungen im "Land der aufgehenden Sonne". Binnen kurzem wurden die langjährigen gekappten Beziehungen mit dem Ausland wiederhergestellt, und dank der Durchführung des Sangyô-Programms, des Aufbaus des Kaiserreiches auf industrieller Grundlage, erfolgte die schrittweise kapitalistische Transformation des Landes. Ausschlaggebend dafür war die systematische Überführung des Mehrprodukts aus dem Agrarsektor in den industriellen Bereich. Mit den Steuergeldern, die der Staat als Landsteuer vor allem den kleinen Bauern und Pächtern abpreßte, wurden Industriebetriebe in staatlicher Regie gegründet. Nach Realisierung einer gewissen Rendite wurden diese staatlichen Firmen den zu Privatkapitalisten aufgestiegenen einstigen kaiserlichen Lehnsherren übertragen. Insbesondere zwischen 1895 und 1905 - Japan war aus Kriegen mit China und Rußland als Sieger hervorgegangen - hatte sich mit dem Reichsführungsprogramm der Konzentrations- und Zentralisierungsprozeß des Kapitals zu Oligopolen beträchtlich beschleunigt. Nahezu sämtliche Großbanken, Industriebetriebe und Verkehrsmittel des Landes befanden sich 1905 in Besitz von nur vier Großfamilien - den Mitsui, Mitsubishi, Satsume und Okura -,welche außerdem entscheidenden Einfluß auf eine Vielzahl kleiner und mittlerer Zulieferfirmen ausübten.
Träger dieses Industrialisierungsprozesses war im Gegensatz zu Europa keine aufklärerisch-moderne bürgerliche Unternehmerschicht, die allmählich ihre wirtschaftliche Macht durch eine bürgerlich-demokratische Revolution absicherte, sondern eine dem Kaiser ergebene feudale Großgrundbesitzerklasse und reiche Händler. Viel Phänomene im japanischen Kapitalismus erschienen dadurch innerhalb einer feudal-patriarchalischen Grundordnung als sinnvoll und funktional. So reflektierten beispielsweise die Stellung des Unternehmers gegenüber den Arbeitern in den Großbetrieben, die Haltung des Staates gegenüber den Großkonzernen, der Kadavergehorsam des Soldaten gegenüber Vorgesetzten, die Position des Tenno gegenüber der Bevölkerung diese feudal-patriarchalischen Verhaltensmuster. (1)
Diese ließen sich zudem vorzüglich als ideologische Rechtfertigung einer expansiven, auf regionale Hegemonie abzielenden Politik instrumentalisieren. Das zeigt sich nachhaltig im Projekt der sogenannten "Größeren Ostasiatischen Gemeinsamen Wohlstandssphäre", mit der Tokio seit den 30er Jahren seine Intervention in Südostasien, Ostasien und Ozeanien zu legitimieren trachtete. Begründet wurde diese "Wohlstandssphäre" folgendermaßen: "Da das japanische Kaiserreich das Zentrum und der Pionier der orientalischen Moral und des kulturellen Wiederaufbaus ist, müssen die Offiziellen und das Volk dieses Landes zu dem orientalischen Geist zurückkehren und ein gründliches Verständnis des Geistes des moralischen Charakters der Nation erwerben. Ferner: Das japanische Kaiserreich ist eine Manifestation der Moral und sein besonderer Charakter ist die Verbreitung des kaiserlichen Weges (...) Es ist notwendig, die Macht des Kaiserreiches zu nähren, um Ostasien zu seiner ursprünglichen Gestalt der Unabhängigkeit und des gemeinsamen Wohlstandes (...) zurückkehren zu lassen". (2)
Während des 2. Weltkrieges ist dieses Projekt in einigen Teilen Südostasiens mit einer offensiven AAA-Aktion verknüpft worden, in der sich Japan als "das Licht Asiens, der Beschützer Asiens, der Führer Asiens" (3) gerierte. Nicht ohne Wirkung: So plump und vordergründig selbstherrlich uns solche Erklärungen anmuten, so überaus positiv war - zumindest anfänglich - vielerorts ihre Resonanz. In sämtlichen Ländern Südostasiens formierten sich entweder offen japanfreundliche politische Organisationen, oder aber es machten sich nationalistische Kräfte Teile dieser Argumentation zu eigen und sahen darin eine zusätzliche Munition, das Gebahren des "weißen Mannes" anzuprangern und den bewaffneten Kampf gegen den europäischen/nordamerikanischen Kolonialismus zu verstärken. So war es durchaus kein Widerspruch, daß herausragende Persönlichkeiten des Antikolonialismus und Antiimperialismus wie Burmas Aung San (der Vater der immer noch unter Hausarrest gestellten Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi) - zeitweilig - gemeinsame Sache mit den Japanern gegen den gemeinsamen Feind (Großbritannien) machten. Das Bild änderte sich freilich, als Japan sich anschickte, selbst die Nachfolge des "weißen" Imperialismus anzutreten.
Die Rekonstruktion des japanischen Kapitalismus
Unter dem Besatzungsregimes US-Generals Douglas MacArthur wurde unmittelbar nach der Kapitulation Japans (14. August 1945; wenige Tage nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki) das Land von der Außenwelt abgeriegelt: Die japanische Währung war nicht konvertierbar und den Japanern waren Auslandsreisen untersagt. Die USA stellten etwa zwei Drittel aller japanischen Importe, während sie selbst weniger als ein Viertel seiner Exporte abnahmen. Auf politische Ebene erwirkte MacArthur die Durchsetzung einer nach amerikanischem Vorbild modellierten und am 7. Mai 1947 in Kraft getretenen Verfassung, deren Kernpunkte die Kompetenzbeschneidung des Kaisers sowie das im Artikel 9 festgeschriebene Wiederaufrüstungsverbot bildeten.
"Das japanische Volk verzichtet auf ewig auf Verwendung von Waffengewalt als Mittel zur Beilegung von internationalen Auseinandersetzungen. Um den Zweck des obigen Abschnittes zu erreichen, werden keine Land-, See- und Luftstreitkräfte oder sonstiges Kriegsmaterial unterhalten. Das Recht auf Kriegführung durch den Staat wird nicht anerkannt". - Das Recht auf Selbstverteidigung wurde im Text mit keinem Wort erwähnt. Spätestens seit den 60er Jahren wurde die Wiederaufrüstung - ein de facto-Vertragsbruch - mit dem Verweis auf "Selbstverteidigung" legitimiert. Die japanischen Militärs nennen sich denn auch offiziell "Selbstverteidigungsstreitkräfte".
Überdies wurden Japan durch internationale Abkommen die Hoheitsrechte über all jene Gebiete aberkannt, die es sich mit Waffengewalt einverleibt hatte - darunter Korea, Taiwan und die es umgebenden Inseln Penghu, die Pescadoren und Tiaoyu-Gruppe, Sakhalin sowie die Kurilen. Zwei weitere Inselgruppen, die Ryukyus und Bonins (Ogasawara) wurden von den USA unter Kolonialverwaltung gestellt und erst Mitte Mai 1972 im Zuge eines "Rückgabevertrages" Japan zugesprochen. (4)
Gemäß einer am 27. Dezember 1945 in Moskau getroffenen Vereinbarung wurden zwei internationale Körperschaften zur Überwachung des besetzten Nachkriegsjapan aus der Taufe gehoben. Der Fernost-Kommission (FEC) in Washington fiel die Formulierung und Bestimmung der für Japan fortan geltenden grundlegenden politischen Richtlinien zu. Der von Repräsentanten der vier Siegermächte zusammengesetzte Alliierte Rat für Japan (ACJ) mit Sitz in Tokio wachte unter Federführung MacArthurs über die konkrete Durchführung der Politik.
Wenige Monate nach Kriegsende kam die "United States Initial Post-surrender Policy for Japan" zur Anwendung, die sich von dem Grundgedanken leiten ließ, gegenüber diesem Land keine Revanche zu üben. Statt dessen sollte Japan "von einem Unruhestifter in ein Bollwerk des Weltfriedens", d.h. in einen verläßlichen Stützpfeiler US-amerikanischer Ostasienpolitik verwandelt werden. Die Okkupationspolitik Washingtons ging von der Voraussetzung aus, daß sich dieses ihm so fremdartige Land am besten durch eine japanische Regierung erneuern lasse, deren Kader allerdings aus alten Militärs rekrutiert wurde.
Auffallend glimpflich kamen die Architekten des japanischen Militarismus davon: Eine mit Deutschland vergleichbare "Entnazifizierung", wie halbherzig diese auch durchgeführt worden war, gab es nicht und aufgrund des vom Allierten Kriegsgericht für den Fernen Osten, dem fernöstlichen Pendant zum Nürnberger Tribunal, verkündeten Urteils wurden Ende 1948 sieben vormals hochrangige Politiker/Militärs gehängt. Kaiser Hirohitos Verantwortung für und seine Verstrickung in Japans imperiale Politik blieben weitgehend tabuisiert oder wurden bewußt heruntergespielt, obgleich lange vor Erscheinen des von David Bergamini verfaßten Buches "Japan's Imperial Conspiracy" (5) schwere Vorwürfe gegen den Tenno erhoben worden waren. Washington indes ging es weniger um die öffentliche Demontage Hirohitos, was in all ihren politischen und sozialen Konsequenzen mit großen Unwägbarkeiten verbunden und letztlich kontraproduktiv gewesen wäre, als vielmehr um die Entflechtung von Mythos und Authentizität.
So ward per Direktive vom 15. Dezember 1945 der Staats-Shinto untersagt. Der Shinto ("Weg der Götter") ging von der Existenz einer mystisch verklärten, überhöhten Tradition der nationalen Größe aus und diente als Vehikel des unerschütterlichen Glaubens an eine in alle Ewigkeit bestehende nationale Familie, die von einer Kette ununterbrochener, die Aura der Göttlichkeit ausstrahlender imperialer Dynastien geführt wird. Innerhalb des Systems des Staats-Shinto wurde keine Trennungslinie zwischen mythischer und authentischer Geschichte geduldet. Seine Gültigkeit durfte öffentlich nicht in Frage gestellt werden (6). In der kaiserlichen Neujahrbotschaft vom 1. Januar 1946 hieß es denn auch, daß die zwischen dem Kaiser und seinem Volk bestehende "Bande stets durch gegenseitiges Vertrauen und beiderseitige Verehrung geknüpft waren. Sie hatten ihren Ursprung weder in einem Mythos noch in der Legende. Sie beruhten nicht auf den fiktiven Ideen, daß der Kaiser ein menschgewordener Gott (akitsu mikami) und das japanische Volk eine höherwertige Rasse darstellt, dazu auserkoren, die Welt zu beherrschen". (7)
Juniorpartner der USA
Unter dem Eindruck der Ereignisse in China (Erstarken der KP Chinas, Defensive der Kuomintang unter Tschiang Kai-Schek) wurde von den Amerikanern die ansatzweise durchgeführte Wirtschaftsentflechtung gestoppt. Vergleichbar dem für Europa entworfenen Marshallplan wurde für Japan ein umfassendes Wirtschaftshilfeprojekt entworfen, um die Produktion wieder in Gang zu bringen. (Große Arbeiterstreiks, die bereits seit 1946 auf einen grundlegenden sozialen Wandel abzielten, wurden von den Besatzungstruppen niedergeschlagen. Am 1. Februar 1947 war ein Generalstreik gewaltsam aufgelöst und im Juli 1948 das generelle Streikverbot im öffentlichen Dienst erwirkt worden.) Den im April 1949 von der Dodge-Mission (8) ausgearbeiteten Empfehlungen folgten unverzüglich entsprechende Schritte: Die Landeswährung, der Yen, wurde gegenüber dem Dollar auf 360 : 1 festgesetzt, eine Niedrigzinspolitik stattete die Großunternehmen mit benötigten Krediten aus und gewerkschaftliche Aktivitäten wurden untersagt.
Rascher als erwartet entwickelte Washington eine rege diplomatisch-politische Offensive, um mit Japan zu einem neuen, geregelten Modus vivendi zu gelangen, der es erlaubte, die Souveränität dieses Landes wiederherzustellen und seine Rolle als Juniorpartner der USA zu festigen. Grundvoraussetzung dafür war der Abschluß eines Friedensvertrages, der allerdings Sache sämtlicher Siegermächte war, zumindest ihres konzertierten Vorgehens und gemeinsamer Konsultationen bedurfte. Im April 1959 wurde der spätere US-amerikanische Außenminister John Foster Dulles unter Umgehung der Sowjetunion mit den Vorbereitungen eines - notfalls - separaten Friedensvertrages mit Tokio betraut. Die Eile, mit der das Zustandekommen dieses Vertrages forciert wurde, resultierte aus den grundlegend geänderten Machtkonstellationen in der Region. In China hatten die Kommunisten gesiegt und Mao Tse-Tung hatte im Oktober 1949 die Volksrepublik ausgerufen, während das politische Konfliktpotential auf der koreanischen Halbinsel täglich zunahm und die Eskalation eines US-amerikanischen Engagements immer wahrscheinlicher wurde. In dieser Situation konnte Japan kein unsicherer Kantonist sein; es mußte - auch nach außen hin sichtbar - souverän sein und als Prellbock gegen den Kommunismus in Ostasien in das Netz westlicher Sicherheitsinteressen integriert werden. Am 8. September 1951 wurde schließlich der Friedensvertrag mit Japan in San Francisco unterzeichnet, der am 28. April 1952 in Kraft trat.
In diesem Vertrag blieb u.a. die konkrete Regelung japanischer Reparationszahlungen unberücksichtigt. Die Verlegung eines Großteils der zuvor in Japan stationierten US-amerikanischen Truppen nach Korea führte zur Schaffung einer Nationalen Polizeireserve, die mit 75.000 Mann den Grundstock einer künftigen Armee bildete. Noch am selben Tag, als der Friedensvertrag unterzeichnet worden war, schlossen die USA und Japan einen bilateralen Sicherheitspakt, der die Aufrechterhaltung der US-Basen und den Verbleib von GIs auf japanischen Boden ausdrücklich festschrieb.
Ebenfalls zu Beginn der 50er Jahre kamen die Autoren des im amerikanischen Nationalen Sicherheitsrat verfaßten Papiers NSC-68, von Außenminister Dean Acheson später als "eines der großen Dokumente in unserer Geschichte" gepriesen, zu der Auffassung, die Kluft zwischen der Weltanschauung in Ost und West sei unüberbrückbar, wodurch "die kommunistische und die nichtkommunistische Welt auf unabsehbare Zeit in Widerstreit" gehalten wird. In dieser Situation, so die Prämisse des Dokuments, verfügten die USA über vier Optionen, wobei die Aufnahme von Verhandlungen im vornhinein ausgeklammert blieb: Amerika könnte nichts über das hinaus tun, was es bereits tat, es könnte seine internationalen Verpflichtungen fallenlassen und sich hinter die "Festung Amerika" verschanzen; es könnte versuchen, die Gefahr durch einen Präventivkrieg vorzubeugen, oder es könnte einen massiven Wiederaufbau des eigenen sowie der Verteidigungssysteme der "freien Welt" durchführen und seinen Feinden gegenüber die Haltung einer unerschütterlichen "Kampfentschlossenheit" annehmen.
Für die letztgenannte Option votierte das NSC-Dokument und legte dar, daß "die Nation Waffenausgaben in einer Größenordnung von 50 Mrd. US-Dollar im Jahr erwägen müsse (im Gegensatz zu den gegenwärtigen 13 Mrd.)". (9) Horowitz konstatiere: "In einer Zeit verhältnismäßiger internationaler Ruhe (...) lieferte die amerikanische Führung nicht nur eine weitere Bestätigung der strategischen Entscheidung der Jahre 1945 bis 1947 gegen Verhandlungen und den Einsatz diplomatischer Mittel, sondern plädierte auch für eine militärische Wiederaufrüstung in einem für Friedenszeiten beispiellosen Umfang.
Der geheime Charakter der NCS-Dokuments setzt den Schlußfolgerungen, die aus Berichten über seinen Inhalt mit Sicherheit gezogen werden können, enge Grenzen (...) während der Korea-Konflikt (1950 - 53; R.W.) bei der Konzentration des amerikanischen Militärpotentials noch eine Rolle gespielt haben mag, war die politische Entscheidung, die Militärausgaben um das Vierfache zu erhöhen (...) strategischer und nicht defensiver Natur.
In der Retrospektive wird erst klar, daß die vor dem Korea-Krieg getroffene Entscheidung des NSC zugunsten einer Wiederaufrüstung eine tiefgreifende Wirkung auf die Eskalation des Krieges hatte, während der Krieg selber dazu diente, die globalen Spannungen zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten aufzuheizen, vermutlich um das Wiederaufrüstungsprogramm - zumindest teilweise - zu unterstützen (...) Insbesondere wurde es als größte Gefahr bezeichnet, daß im Falle einer plötzlichen Einstellung der Feindseligkeiten (in Korea; R.W.) das Wiederaufrüstungsprogramm nicht durchgeführt werden könnte. Zur gleichen Zeit, als diese Warnungen laut wurden, unternahm Washington jedoch Schritte, die eine Eskalation des Korea-Konflikts und des Kalten Krieges gewährleisteten". (10)
Der "Korea-Boom" bringt auch andere Begehrlichkeiten
Das verstärkte militärische Engagement der USA in Korea wirkte stimulierend auf die beschleunigte Rekonstruktion und Expansion des japanischen Kapitalismus. Die seinerzeit von Ökonomen als "Korea-Boom" charakterisierte Phase des konjunkturellen Aufschwungs ("Wirtschaftswunder" gleichermaßen in Japan wie in Deutschland) war Ausdruck der sprunghaft gestiegenen US-Nachfrage nach japanischen Produkten. Die Gesamtsumme der japanischen Sonderbeschaffungen durch den Korea-Krieg betrug zwischen 1951 und 1957 nahezu vier Mrd. Dollar. 1952, da die Einnahmen aus dem Sonderbedarf mit umgerechnet 750 Mio. Dollar ihren Höhepunkt erreichten, machte der Anteil des Sonderbedarfs 41% des gesamten japanischen Exportvolumens aus. 1951 hatte der Löwenanteil des Sonderbedarfs aus Textilien bestanden. Washington zögerte zunächst mit der regulären Waffenherstellung - mit Rücksichtnahme auf die öffentliche pazifistische Haltung der Bevölkerung. Doch seit 1952 wurde bereits der Aufbau einer Waffenindustrie avisiert. Bei den Sonderbedarfsartikeln rangierten alsbald Produkte der Schwerindustrie (z.B. Waffen) an erster Stelle. Auch in der Transport- und Maschinenbaubranche, vor allem aber in der Autoindustrie, wurde die Produktion durch diesen Sonderbedarf auf ein Niveau gehoben, das nahezu dem Doppelten des Vorkriegsstandes entsprach. Kurz nach Beginn des Korea-Krieges (Ende Juni 1950) zogen die Aktienkurse namhafter japanischer Großbetriebe - Toyota (Auto- und Maschinenbau), Kokan (Stahl), Komatsu-Seisakujo (Schwerindustrie), Mitsubishi-Juko (Schwerindustrie), Mitsui-Zosen (Schiffbau) - um durchschnittlich 200% an. (11)
Infolge dieses Wirtschaftsaufschwungs sah sich Tokio erneut mit der Notwendigkeit der Absicherung seiner traditionellen Rohstoffquellen und Märkte konfrontiert. Die autorisierte Stärke der Streitkräfte stiegt von 75.000 Mann im Jahre 1950 auf 152.000 bis Ende 1954 an. Während der Regierungszeit Hatoyamas (1954-1956) wuchs die Zahl der Jieitai (Selbstverteidigungsstreitkräfte) auf 214.180 Mann. Unter Premierminister Kishi wurde 1957 das Japanisch-Amerikanische Sicherheitskomitee (1960 in Konsultatives Sicherheitskomitee umbenannt) geschaffen, und er hielt gar die Zeit für gekommen, die Möglichkeit des japanischen Erwerbes von Nuklearwaffen in Betracht zu ziehen.
"Bekanntlich stürzte Kishi im Jahre 1960 über die Frage der Revision des sogenannten Sicherheitsvertrages. Eine der Besonderheiten des revidierten Vertrages von 1960 war die Ausdehnung seiner Einflußsphäre ,Fernost'. 1955 hatte Dulles bereits versucht, diese Sphäre vom eigentlichen Japan in den ,Westpazifik' zu verschieben, doch dieser Vorschlag löste seinerzeit in Japan Entrüstung aus. Kishi und die Amerikaner weigerten sich, das unter den Terminus ,Fernost' fallende Gebiet zu spezifizieren; Kishi lieferte zwei sich widersprechende Interpretationen des Gebietes. Seine zweite Definition (8. Februar 1960) ging von der Einbeziehung der Inseln Habomai und Shikotan (Kurilen; R.W.) nördlich von Japan sowie den Inseln Jimen und Matsu, an der Küste Chinas gelegen und von der Kuomintang besetzt gehalten, aus. Weiterhin erklärte Kishi, er sei sich nicht im klaren darüber, ob der Ferne Osten nicht auch Korea nördlich des 38. Breitengrades (entlang der Nord- und Südkorea trennenden demilitarisierten Zone; R.W.) einschließe. (12)
1962 betrug die Stärke der bewaffneten Streitkräfte 243.923 Mann (...) In einem Jahrzehnt (1953-63) stiegen die Verteidigungsausgaben von 1,231 Billionen Yen auf 2,412 Billionen Yen." (13)
Hervorstechendes Merkmal des restaurierten militärisch-industriellen Komplexes in Japan war von Anfang an der hohe Grad seiner Selbstversorgung mit Waffensystemen. Bereits Ende der 60er Jahre verzeichneten Militärexperten, daß Japan seine eigene Munitionsversorgung zu 97% und seinen Bedarf an Panzern, Flugzeugen, Gewehren sowie anderen militärischen Ausrüstungen zu 84% zu decken imstande gewesen sei. (14)
"Bei der Untersuchung des amerikanisch-japanischen Verhältnisses auf dem militärisch-industriellen Sektor", schrieben bereits Halliday/McCormack vor zwanzig Jahren, "gilt es die Tatsache zu bedenken, daß Japan in letzter Zeit alle Anstrengungen unternommen hat, eine Serie von Spezialwaffen für den Einsatz in Südostasien zu entwickeln: einen neuen (,72') Panzer, der selbst unter Wasser manövrierbar ist und sich in den Reisfeldern Südostasiens bewähren würde (der Prototyp dieses Panzers wurde - laut der Tokioter Tageszeitung "Asahi Shimbun" vom 4. Juni 1971 - bereits zu Beginn der 70er Jahre von Mitsubishi produziert; R.W.), spezielle Schnellboote, die in Sumpf- und Dschungelgeländen einsetzbar wären, sowie ein neues Infantetriegewehr, das den amerikanischen Gewehren überlegen und überdies für kleine Menschen bequemer zu handhaben ist. Bedenkt man, daß auf mindestens ein Dutzend Söldnerarmeen zurückgegriffen werden könnte, so ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß Japan zur Waffenschmiede dieser Streitkräfte aufsteigt." (15)
Diese Entwicklung war u.a. möglich, weil die industrielle Basis Japans nach dem Kriege weitgehend intakt gelassen wurde, eine weitreichende Entflechtung oder gar Demontage seiner vormaligen Wirtschaftsimperien (mit Ausnahme von Handelsgesellschaften und Kriegsgewinnlern während des China-Feldzuges wie Mitsui) unterblieb und auf sein vor dem Krieg durch intensive Auslandskontakte (Europa, USA) erworbenes technologisches Know-how nunmehr im geo- wie militärstrategischen Kalkül der USA zu beiderseitigen Nutzen zurückgegriffen werden konnte. Ferner wurden die Großbanken, die in der Vorkriegsperiode als Schaltstellen der Oligopole fungierten, überhaupt nicht angetastet. Mittels niedrig verzinster Kredite im Zuge einer staatlich gelenkten Billig-Geldpolitik vermochten die notorisch hochverschuldeten und mit einer vergleichsweise dünnen Eigenkapitaldecke ausgestatteten Unternehmen wie Fuji, Mitsubishi, Sanwa, Sumitomo, Mitsui Dai-Ichi u.a. qua eigener Konzernbanken ihre alten Stellungen zu behaupten. Nach "Capital International Perspective", einer im Dezember 1971 in Zürich publizierten Aktienanalyse, betrug das Eigenkapital (Grundkapital und Reserven) von 742 namhaften japanischen Gesellschaften außerhalb des Finanzsektors, deren Aktien an der Tokioter Börse gehandelt wurden, nur 19,4% der gesamten Bilanzpassiva. Zum Vergleich: Bei US-amerikanischen und britischen Gesellschaften lag dieser Anteil zwischen 45 und 46%.
"Da die japanische Wirtschaft nach ernsthaften Zerstörungen (...) neu beginnen mußte, mußten die Finanzierungskosten für die Industrie so niedrig wie möglich gehalten werden. Wäre eine freie Zinsbildung erfolgt, so wären die Kapitalkosten sehr hoch gewesen, da die auf dem Markt verfügbaren Gelder begrenzt und die Nachfrage sehr groß war". (16)
Wie derzeit in keinem anderen kapitalistischen Land erfolgte das rasche Tempo der Kapitalakkumulation in Japan auf der Basis eines engmaschigen sozialen und politischen Kontrollsystems seitens des Staates. Prof. Chitoshi Yanaga u.a. kamen in ihrer 1968 vorgelegten Studie "Big Business in Japanese Politics" (New Haven London) zu dem Ergebnis, daß gut 90% der Regierungsaktivitäten die Steuerung und Aufsicht der Wirtschaft betreffen. Die Ausgaben im Sozialbereich waren und sind immer noch relativ gering (Ende der 80er Jahre 14% des Staatshaushalts, während sie in den USA, Großbritannien, Schweden und Westdeutschland 18 bzw. 26, 43 und 31% ausmachten), und das Steuersystem ist im internationalen Vergleich zu Recht als eines der ungerechtesten bezeichnet worden.
Allein zwischen 1965 und 1980 wuchs das japanische Bruttosozialprodukt jahresdurchschnittlich um 6,5% gegenüber 3,3% in der Bundesrepublik, 2,7% in den USA und 2,4% in Großbritannien. Im selben Zeitraum betrug Japans jährliche Wachstumsrate bei Exporten 11,4%, während die Vergleichszahlen für die USA, BRD und Großbritannien 6,4 bzw. 7,2 und 4,8% betrugen. Wies Tokios Zahlungsbilanz 1970 ein Plus von ca. 2. Mrd. US-Dollar auf, so näherte sich dieser Überschuß Ende der 80er Jahre bereits der 100 Mrd.-Dollar-Grenze, und gleichzeitig vergrößerten sich Japans Devisenreserven von annähernd 5 auf 107 Mrd. Dollar mit der Folge, daß der Yen seit 1970 zunehmend unter Aufwertungsdruck geriet und die langjährig gültige Dollar-Yen-Parität von 1:360 heute um 1:115 schwankt.
Rechtzeitig allerdings paßte sich das japanische Kapital als Reaktion auf den einsetzenden äußeren Aufwertungsdruck auf die Landeswährung und die daheim gestiegenen Lohnforderungen den neuen Bedingungen an und ging dazu über, arbeitsintensive und stark umweltverschmutzende Industrien zunächst nach Südkorea und Taiwan, später dann nach Südostasien und Lateinamerika auszulagern. Teile der Automobilfabrikation sowie Fertigungsanlagen für hochwertige Konsumgüter der Elektronikbranche wurden in die USA und EG-Staaten verlagert. Diese Doppelstrategie hatte den Vorteil, daß Tokio ökologische Probleme schlicht außer Landes schaffte und sich lästiger Kritiken seitens einer erstarkten Umweltschutzbewegung entledigte, den Zugriff auf Rohstoffe und ein Heer billiger Arbeitskräfte sicherte und überdies wachsende protektionistische Maßnahmen in den USA und der EG parierte. Dies wiederum verstärkte den Druck auf die einheimische Arbeiterschaft in einer Weise, daß die vormals für sakrosant gehaltenen Garantien lebenslang gesicherter Arbeitsplätze aufgehoben und auf einen schmaler werdenden Kern von Stammbelegschaften in Großbetrieben beschränkt wurden. Die Arbeiterbewegung war zu fragmentiert, als daß sie diesen Trend hätte umkehren können: Die Gewerkschaften, wesentlich betrieblich und vertikal organisiert, unterstützten entweder vollumfänglich das Management oder fügten sich in dessen Kooptationspolitik. Nicht selten erfolgten im Gegenzug Sondervergütungen (Bonussystem), die bis zu sechs zusätzliche Monatsgehälter ausmachten. Die eigentlichen Verlierer dieses dualen Wirtschaftssystems bildeten neben den seit langen Marginalisierten und Deklassierten (Burakumin, Ainu, während des Krieges nach Japan zwangsverschleppte KoreanerInnen und ChinesInnen, illegal beschäftigte Arbeitskräfte aus dem Ausland) die in kleinen und mittleren Zulieferfirmen Beschäftigten und Frauen.
Japanische Auslandsinvestitionen waren zwischen 1951 und 1962 mit einem Gesamtvolumen von 546 Mio. Dollar eine quantité négliegeable. Doch allein in den darauffolgenden sieben Jahren erreichten sie drei Mrd. Dollar und schnellten bis Ende der 80er Jahre auf über 140 Mrd. Dollar empor, wobei bemerkenswert ist, daß 49% der gesamten Investitionen Tokios im Zeitraum von 1951 bis 1988 seit 1986 getätigt wurden. Hauptanlagegebiete japanischer Auslandsinvestitionen bildeten zwischen 1974 und 1988 Asien, Nordamerika, Europa und Lateinamerika, wobei zunächst die verarbeitende und extraktive Industrie sowie der Handel und in letzter Zeit der Finanz-, Versicherungs- und Immobiliensektor die bevorzugten Investitionsfelder bildeten. (17)
Fünf Jahrzehnte nach dem Entwurf des - durch die Kriegsausgang vereitelten - Projekts der "Größeren Ostasiatischen Gemeinsamen Wohlstandssphäre" schickt sich Japan als stärkste Wirtschaftsmacht in Asien/Pazifik und als weltweit größter Gläubiger (18) mit einem Netto-Anlagevermögen im Ausland von etwa 800 Mrd. Dollar an, den damals gehegten Traum zu realisieren. Es mehren sich bereits in Tokio Stimmen, die von der Bildung einer Pazifischen Gemeinschaft sprechen und dem Land die Führungsrolle im nächsten Jahrhundert, das als Pan-Pazifische Ära bezeichnet wird, zuerkennen. Um ein derartig ehrgeiziges Ziel zu erreichen, wären weitreichende politische und militärische Schritte notwendig, welche die wirtschaftliche Dominanz entsprechend flankierten.
Unbestritten ist, daß Japans Stärke im militärischen Dreierallianz-System (nebst Japan, die USA und Südkorea), das einerseits auf dem 1960 vereinbarten japanisch-amerikanischen Kooperations- und Sicherheitsvertrag und zum anderen auf dem Republik-Korea-US-Vertrag über gegenseitige Verteidigung vom 1. Oktober 1953 basiert, zugenommen hat. Schon in seinem 1. "Weißbuch für nationale Verteidigung" aus dem Jahre 1970 hat Tokio seine Verteidigungspolitik mit "drei Grundpfeilern" verankert: (a) "Marine und Luftwaffe müssen die Vorherrschaft in der Umgebung" - ein nicht näher eingegrenzter Begriff - "als Lebensnerv Japans sichern". Bleibt anzumerken, daß die einige tausende Meilen entfernte Straße von Malakka (zwischen Singapur/Malaysia und Indonesien) wiederholt als ein solcher "Lebensnerv" bezeichnet worden ist, weil sie u.a. von den aus dem Nahen und Mittleren Osten kommenden Öltankern passiert wird. (b) "Die Aggression soll im Anfang unterbunden werden". Nicht nur bleibt offen, wann sich eine Aggression "im Anfang" befindet; eine solche Erklärung könnte z.B. mit Blick auf den Vietnamkrieg eigene aggressive Absichten/Akte vertuschen und/oder rechtfertigen. (c) Des weiteren wurde in dem Weißbuch vom "Entgegentreten der indirekten Aggression" gesprochen. Dieser "Grundpfeiler" wurde gemäß Weißbuch als Ergänzung zu Punkt b) gesehen.
Diese Ausführungen wurden von sämtlichen Administrationen in Washington seit Nixon vorbehaltlos geteilt. Japan wurde seitdem abwechselnd als "wichtigster", "treuester" und "bedeutsamster" Verbündeter in der Region gewertet, zu dessen Schutz der amerikanische Atomschirm aufgespannt bleibt, sofern sich Tokio im Gegenzug - als beidseitiger Interessen- und Lastenausgleich - stärker an der Finanzierung multilateraler Organisationen (z.B. Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank, UN) beteiligt.
Mit seinen Militärausgaben (30 Mrd. Dollar im Jahre 1990) rangiert Japan mittlerweile weltweit an dritter Stelle und nimmt in Asien die Spitzenstellung ein. Seine Marine ist nach derjenigen der USA und Rußlands die drittgrößte in der Region. Sollte die Regierung in Tokio, nachdem bereits mit der letztjährigen Entsendung von Soldaten im Rahmen "friedenssichernder" Maßnahmen der UN nach Kambodscha ein Tabu gebrochen worden ist, Artikel 9 seiner Nachkriegsverfassung modifizieren oder gar revidieren, was Politiker als notwendige "Japanisierung" gutheißen, wäre nur noch ein Tabu brechbar - der Aufbau einer eigenen Atomstreitmacht. Das freilich ist gegenwärtig auch mit Rücksichtnahme auf die anderen Verbündeten in der Region und Opfer des japanischen Militarismus (u.a. Südkorea und die Asean-Staaten) in Washington weder politisch mehrheitsfähig noch militärisch akzeptabel. (19)
Fortsetzung folgt
Anmerkungen:
1) Vgl. dazu K. Sonoda, "Unternehmensstruktur und Unternehmensführung der Zukunft", in: Betriebswirtschaftliche Umschau, Nr. 12, Dezember 1970; Nobutaka Ike, "Japanese Politics: Patron-Client Democracy", New York 1972; Chie Nakane, "Japanese Society", Berkeley 1970, die sich eingehend mit dem "oyabun-kobun"-Prinzip, dem Vorgesetzten-Untergebenen-Verhältnis in der japanischen Gesellschaft, befaßt.
2) Zit. nach: "Der japanische Imperialismus", Berlin 1971, S. 42 f.
- Siehe ferner: Renato Constantino (ed.), "Southeast Asian Perceptions of Japan", Tokyo/Quezon City 1991 und Saburo Ienaga, "The Pacific War: World War II and The Japanese, 1931-1945", New York 1978.
3) Vgl. Jan Romein, "Das Jahrhundert Asiens - Geschichte des modernen asiatischen Nationalismus", Bern 1958, S. 338.
4) Näheres in: Rainer Werning, "Hintergründe der US-Außenpolitik in Ostasien", Bonn 1977, S. 85 f.
5) David Bergamini, "Japan's Imperial Conspiracy", New York/London 1971.
6) Siehe Dr. Genchi Kato, "A Study of Shinto, the Religion of the Japanese Nation", Tokyo 1936.
- In der Direktive vom 15.12.45 heißt es u.a.: "Die Propagierung, Unterstützung, Verewigung, Beherrschung und Verbreitung des Shinto durch die japanische Regierung auf nationaler, Bezirks- und Ortsebene oder durch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Beamte und Angestellte in ihrer Eigenschaften als Repräsentanten dieser Regierung sind verboten und werden unverzüglich eingestellt", vgl. D.C. Holtom, "Modern Japan and Shinto Nationalism: A Study of Present-Day Trends in Japanese Religions", New York 1963 (3. erw. Aufl.), S. 215.
7) D.C. Holtom, a.a.O., S. 220. Siehe ferner Charles A. Moore (ed.), "The Japanese Mind: Essentials of Japanese Philosophy and Culture", Honolulu 1967, S. 24 - 32.
8) Benannt nach dem Detroiter Bankier Joseph M. Dodge.
9) Im Haushaltsjahr 1950 waren 13 Mrd. Dollar für den Verteidigungssektor vorgesehen. 1951 betrugen die Militärausgaben 22,4 Mrd. Dollar und ein Jahr darauf bereits 43,9 Mrd. Dollar.
10) David Horowitz, "Kalter Krieg: Hintergründe der US-Außenpolitik von Jalta bis Vietnam", Bd. 2, Berlin 1969, S. 25 f.
11) Mitsubishi-Juko nannte sich damals Naka-Nihon-Juko. Durch die von der US-Militäradministration durchgeführten Entflechtungsmaßnahmen war die Mitsubishi-Schwerindustrie bis 1951 nominell in drei Firmen aufgeteilt: Higashi-, Nishi- und Naka-Nihon-Juko.
12) Chitoshi Yanaga, "Big Business in Japanese Politics", New Haven/London 1968, S. 279 f.; Martin E. Weinstein, "Japan's Postwar Defence Policy, 1947-1968", New York/London 1971, S. 79 f.
13) Jon Halliday/Gavan McCormack, "Japanese Imperialism Today: ,Co-Prosperity in Greater East Asia'", Harmondsworth 1973, S. 80.
- Siehe auch: Rainer Werning, "Shadows Cast by the Rising Sun", in: Solidarity (Manila), August 1971; Albert Axelbank, "Black Star Over Japan: Rising Forces of Militarism", Tokyo 1973.
14) Swadesh R. de Roy, "Japan: A Nation Rearms", in: Far Eastern Economic Review, No. 51, Hongkong 1969. Die Londoner "Times" (15.1.72) nannte die Zahl von "ungefähr 50%", die innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 80% klettern werde. In "Le Monde Diplomatique" (Juli 1971) bezifferte Robert Guillain die Selbstverteidigungsquote am Ende des 3. Verteidigungsplans (1967) auf 45%, die gegen Ende des 4. Plans (1971) auf 80% gestiegen sein dürfte.
15) J. Halliday/G. McCormack, a.a.O., S. 12.
- Vgl. ferner: Herbert P. Bix, "The Security Treaty System an the Japanese Military-Industrial Complex", in: Bulletin of Concerned Asian Scholars 2.2, San Francisco (Januar) 1970. Danach wurden schon in den frühen 50er Jahren US-Flugzeuge, Hubschrauber und Motoren in Japan gefertigt. Von Hughes Aircraft und Kawasaki Heavy Industries und Nippon Electric wurde ein Flugzeug mit Frühwarnsystem entwickelt, während zwischen General Electric und Hitachi ein Abkommen über die Produktion von Flugzeugmotoren getroffen wurde. Auf dem Sektor der Raketenforschung entwickelte sich ebenfalls sehr früh eine enge amerikanisch-japanische Kooperation - G.R. Hall/R.E. Johnson, "Transfers of U.S. Aerospace Technology to Japan", Rand Corporation Paper, 1968.
16) Tadahiro Asami, in: Finanzierung und Entwicklung, Nr. 4, Hamburg (Dezember) 1972, S. 52.
17) Rob Steven, "Japan's New Imperialism", London 1990; Kathleen Newland (ed.), "The International Relations of Japan", London 1990.
18) Japan stellt überdies den im internationalen Vergleichsmaßstab größten Betrag an staatlicher Entwicklungshilfe bereit - 1990 betrug sie etwa 10 Mrd. US-Dollar, nahm sich aber, gemessen am Bruttosozialprodukt, mit 0,07% recht bescheiden aus und liegt damit weit unter der von den UN projektierten Zielgröße von 1%.
- Siehe auch: Peter Limqueco, "From Co-Prosperity to Pax Nipponica", in: Renato Constantino (ed.), "Southeast Asian ...", a.a.O., S. 89 ff.
19) Vgl. dazu u.a. die beiden Aufsätze der US-amerikanischen Asien-Experten: Joseph S. Nye jr., "Coping with Japan", in: Foreign Policy No. 89, Washington, D.C., 1992, S. 96 - 115 und Richard J. Ellings/Edward A. Olsen, "A New Pacific Profile", in: ebd., S. 116-136. Herausgegeben wird die Zeitschrift von der einflußreichen Carnegie Endowment for International Peace, Washington, D.C.
Neue Folge - analyse & kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis /
Nr. 358 / 22.9.1993
