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ak logo ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 562 / 17.6.2011

Wir müssen reden

ak macht sich auf den Weg in die Zukunft. Dabei brauchen wir Hilfe

Aha: "Wenn die Verkaufszahlen nicht stimmten, wurde politisch diskutiert, bis den Genossen die Wichtigkeit einer kommunistischen Zeitung wieder klar war." Sagte kürzlich ein altgedienter Redakteur einem jüngeren Kollegen. So löste ak also in den 1970er Jahren etwaige Motivationsprobleme seiner "MitarbeiterInnen". Gut oder schlecht? Spielt keine Rolle mehr, denn diese Zeiten sind vorbei. Genauso vorbei sind allerdings die Zeiten des politischen Überwinterns. Vor zwei Jahren hat sich die ak-Redaktion daher auf die Suche nach einem Weg in die Zukunft gemacht. Nun stehen wir vor der größten Veränderung unserer Zeitung seit langem. Eine richtig große Sache! Und dafür brauchen wir: Anregungen, Kritik und Unterstützung unserer Leserinnen und Leser!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wann kommt es schon mal vor, dass wir uns so offiziell an euch wenden? Lassen wir die drei oder vier Ausgaben pro Jahr, in denen wir um Spenden bitten, beiseite, dann lautet die Antwort: selten. Wir haben etwas auf dem Herzen.

Auch wenn man es der Zeitung von außen nicht ansieht, hat sich in den letzten Jahren hinter den Kulissen eine Menge verändert. Vor gut zwei Jahren haben wir begonnen, über Gegenwart und Zukunft des "Projekts" ak zu diskutieren. Ausgangspunkt war ein Widerspruch: zwischen den Bedingungen, unter denen ak produziert wurde (und wird), und denen, unter denen es ak in Zukunft geben könnte.

ak begann 1971 als Zeitung einer westdeutschen K-Gruppe, des Kommunistischen Bundes (KB). Der Arbeiterkampf (wie AK damals mit vollem Namen hieß) war, da folgte man Lenin, "kollektiver Agitator und Organisator" des KB. Die Zeitung wurde von den Mitgliedern - zu den besten Zeiten vielleicht 2.000 Leute - geschrieben, produziert und verteilt. Jeder musste beitragen, sei es als AutorIn oder beim Verkauf. So strukturierte "der AK " die politische Arbeit der Organisation. In der Zeitung wurde nicht nur verkündet (das auch), sondern breit informiert und, manchmal selbstkritisch, diskutiert. Deshalb wurde "der AK" auch außerhalb der maoistischen Strömung gern oder zumindest regelmäßig gelesen. 1977 erschien die Zeitung alle zwei Wochen im Umfang von meist 64 Seiten und in einer Auflage von mehr als 20.000 Stück.

Als sich der Kommunistische Bund 1991 auflöste, verschwand AK nicht, sondern wurde weitergeführt: ab Sommer 1992 als ak - analyse & kritik. Wir wollen uns an dieser Stelle nicht in den Debatten dieser Zeit verlieren. Wichtig ist: Trotz der allgemeinen Depression der Linken entschied eine ausreichende Zahl ehemals Aktiver aus dem Kommunistischen Bund, die Zeitung in die Zukunft zu retten. Ihr Anspruch: ak sollte "überwintern", bis es die Bedingungen wieder erlauben, über das Projekt einer Monatszeitung, die sich auf die linken Bewegungen hierzulande stützt, neu zu diskutieren. Auch einige hundert AbonnentInnen halten uns seitdem die Treue. Wie viele es genau sind, wissen wir nicht; aber wir wissen, dass ein knappes Drittel unserer Abos vor 1999 abgeschlossen wurde.

Inzwischen sind noch einmal 20 Jahre vergangen. ak gibt es immer noch. Und nicht nur das: Nach den aus linker Sicht deprimierenden 1990er Jahren und dem merkwürdigen Jahrzehnt der Globalisierungskritik und des "War on terror", überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Im vergangenen Jahr haben wir ein neues Interesse an Information und Debatte, Analyse und Kritik gespürt. Unsere Auflage hat einen kleinen Sprung gemacht - jedenfalls für unsere Verhältnisse. Wir denken, dass es an der Zeit ist, über die Zukunft dieser Zeitung zu reden.

Dazu gehört allerdings auch ein Blick nach innen: In der Redaktion sind noch zwei Leute aus der "Blütezeit" des KB; ein weiterer rühmt sich, ein Jahr vor der Selbst-Auflösung Mitglied des Bundes geworden zu sein. Die vier übrigen sind Anfang bis Mitte 30 und politisch durch die linken Bewegungen des vergangenen Jahrzehnts geprägt. In der Redaktion - und auch in unserer Leserschaft - hat ein Generationenwechsel stattgefunden, genauer gesagt: Es ist ein guter Altersmix entstanden.

Doch unsere Produktionsweise beruht nach wie vor auf den alten Strukturen des KB, der unentgeltlichen Mitarbeit aus Überzeugung. Ohne die ehrenamtliche Arbeit, den Einsatz und die Spenden der "Alten" könnte ak nicht erscheinen. Das ist schön! Und es ist ein Problem. Denn dieses Arrangement wird nicht ewig funktionieren.

Hinter ak steckt keine Organisation mehr. Viele, die heute an der technischen Erstellung von ak mitwirken, sind im "politischen Ruhestand", wie es ein ehemaliges Mitglied der KB-Leitung bei unserer Diskussion formulierte. Und viele, die heute für ak schreiben (oder die Redaktionsarbeit machen), sind nicht nur mit anderen politischen Themen und Debatten, anderen Lese-, Denk- und Arbeitsweisen groß geworden, sondern stecken bis zum Hals in einem immer prekäreren Alltag. Noch immer bekommen die RedakteurInnen wenig, die AutorInnen nichts für ihre Arbeit. Doch wer kann sich das heute noch leisten?

Kurz gesagt: ak steht mit einem Fuß in der Gegenwart und mit einem in der Vergangenheit. Je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird der Spagat. Diese Situation war vor zwei Jahren der Ausgangspunkt unserer Diskussion. Die Frage, die wir uns gestellt haben, lautete: Was müssen wir tun, damit die Zeitung irgendwann auch ohne die Gründer-Generation existieren kann? Und was für eine Zeitung wäre das - oder sollte es sein?

Unsere größte Leistung der letzten Jahre sehen wir darin, dass ak es geschafft hat, von der Zeitung einer bestimmten linken Organisation zu einer der linken Bewegungen zu werden. Dieser Befund ist mit einer ganzen Reihe Einschränkungen zu versehen: ak ist im Osten der Bundesrepublik auch 20 Jahre nach dem Mauerfall quasi nicht präsent (sieht man mal von Berlin ab), und auch jenseits der großen "Szene-Städte" ist unsere Zeitung nur schwach vertreten. Oft übersehen wir wegen unseres engen "aktivistischen Blicks" andere wichtige gesellschaftliche Entwicklungen und Fragestellungen etc.

Dennoch ist ak "in Bewegung geblieben". In den letzten Jahren haben wir verstärkt Kontakt in unterschiedliche aktivistische Spektren geknüpft. Als Mitglied der Interventionistischen Linken begleiten wir die Debatten und Kampagnen dieser Strömung - ohne ihr Sprachrohr zu sein. Mit der Fantômas haben wir vor einigen Jahren ein neues Format ausprobiert. Mit den vierseitigen ak extras sind wir neuerdings zu besonderen Protest-Anlässen präsent. Wir verstehen unsere Arbeit als Beitrag zur Formierung einer außerparlamentarischen Linken in der Bundesrepublik; die Zeitung soll ein Ort sein, an dem sich die Debatten der unterschiedlichen linken Strömungen (nicht nur der außerparlamentarischen) abbilden und bündeln und wo Interessierte gute Analysen und Hintergrundinformationen zu aus dieser Perspektive relevanten Themen finden.

ak ist eine "Zeitung für linke Debatte und Praxis" - so steht es auf der Titelseite. Aber um diesen Anspruch einzulösen, kann sie nicht bleiben, wie sie ist. Wir wollen einen Neuanfang im größeren Stil wagen. Dafür brauchen wir eure Unterstützung. Wir bitten daher um euer Feedback und eure Anregungen für unsere bisherigen Überlegungen:

Was sind die Aufgaben einer solchen Zeitung? Zunächst einmal, den Debatten und Auseinandersetzungen der Bewegungen einen Raum zu geben, Diskussionen anzustoßen, linke Gewohn- und Gewissheiten mit neuen Sichtweisen, die Praxis hiesiger Bewegungen mit den Erfahrungen und Diskussionen aus anderen Ländern (oder anderen Zeiten) zu konfrontieren. Dabei ist das Ziel nicht, allgemeingültige Wahrheiten zu verkünden oder sich gegenseitig vorzuwerfen, wie falsch, schlecht oder verkürzt die jeweils andere Position ist. Wir wollen keinen "Schreibtischblick" auf die sozialen Bewegungen werfen, sondern Auseinandersetzungen so führen, dass sie Gebrauchswert für die politische Praxis haben, eine Verständigung über die unterschiedlichen Standpunkte und ihre Prämissen organisieren.

Das bedeutet auch, dass wir die Diskussionen auch für andere nachvollziehbar machen müssen. In ak schreiben und diskutieren nicht in erster Linie journalistische Profis, sondern vor allem Leute und Gruppen, deren Praxis nicht das geschriebene Wort ist. Das wollen wir so, ausdrücklich. Die Aufgabe der Redaktion muss deshalb stärker als bisher sein, diese Beiträge auch für solche LeserInnen zu "übersetzen", die nicht mit den Debatten oder Aktivitäten der beteiligten Akteure vertraut sind. Denn ak soll nicht nur Zeitung der "praktizierenden" linken Bewegungen sein, sondern auch für diejenigen mit Gewinn zu lesen sein, die sich diesen Bewegungen verbunden fühlen oder sich über sie informieren wollen.

Politische Bewegungen brauchen gute Informationen und genaue Analysen. "Die gibt es doch heute im Netz!" Stimmt. Aber wer im Internet nicht nur über die aktuellsten Neuigkeiten auf dem Laufenden bleiben, sondern sich umfassend informieren will, braucht viel Zeit und eine gute Vorauswahl.

Wir wollen die Bedeutung und die soziale Qualität der Informationsquelle Internet nicht schmälern. ak soll das Lesen im Internet auch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Unsere Aufgabe sehen wir darin, Orientierung im Dickicht der Informationen zu bieten. Nicht in Form von Lesezeichen im Web-Browser, sondern durch gute Analysen, Hintergrundinformationen und Einschätzungen über aktuelle und - das ist wichtig! - scheinbar weniger aktuelle Themen und Entwicklungen. Denn in Zeiten, wo die Ware Information immer schneller umgeschlagen wird, gewinnt ihr "Nachrichtenwert", ihr Aufregungspotenzial immer größere Bedeutung. Dazu gehört, dass Themen schnell verschwinden, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, Aufregung und Aufgeregtheit zu erzeugen. Die Abhängigkeit von den Konjunkturen der Ware Information wächst. Die ak-Lektüre soll diese Abhängigkeit von der Ökonomie der Nachrichtenproduktion verringern und den kritischen Blick auf die Gesellschaft schärfen - ein klassischer linker Bildungsauftrag, vielleicht.

Um diesen Ansprüchen näher zu kommen, steht in der zweiten Jahreshälfte zunächst eine größere Veränderung in der gedruckten Ausgabe von ak an. Wenn wir das geschafft haben, wenden wir uns auch dem Web-Auftritt zu, der, wie wir immer wieder zu hören bekommen, viele an die Internet-Steinzeit erinnert.

Die Revision der Print-Ausgabe orientiert sich an den dargestellten Zielen: eine Zeitung mit Gebrauchswert für linke Bewegungen und eine verlässliche Quelle für Analysen und Informationen zu werden. Das soll sich im Erscheinungsbild und der Struktur der Zeitung und damit ihrer "Lesbarkeit" niederschlagen. Es betrifft aber auch redaktionelle Fragen, handwerkliche (wir bilden uns weiter!) und inhaltliche: eine genauere Auswahl der Themen, mehr Kontinuität in den Debatten (mit der aktuellen Feminismus-Diskussion haben wir einen Anfang gemacht), hoffentlich auch mehr Zuspitzung und Intervention in gesellschaftliche Diskussionen, vielleicht öfter Schwerpunkte, die man separat verbreiten kann. Hinter allem steckt die Absicht, den politischen Gebrauchswert von ak zu steigern.

Das Vorhaben kann nur funktionieren, wenn ihr uns unterstützt, sei es durch Anregungen und Kritik, dadurch, dass ihr ak als Ort der Debatte nutzt, für ak schreibt oder die Zeitung verbreitet. Wir wollen wissen: Was sind eure Erwartungen und Wünsche an eine linke Monatszeitung? Welche Themen sind euch wichtig, was kommt euch zu kurz? Was nervt euch richtig an ak? Oder konstruktiver formuliert: Wenn ihr eine Sache an ak verändern könntet, was wäre das? Wir können nicht versprechen, dass wir jeden Wunsch umsetzen. Aber wir versprechen, dass wir sehr ernsthaft darüber diskutieren, was eine gute linke Monatszeitung ausmacht - und dass wir uns über jede Anregung dafür freuen.

Ein solcher Text wäre unvollständig ohne eine weitere Bitte: Für eine große Veränderung müssen wir eine Menge Ressourcen mobilisieren. Geld, natürlich, aber auch Unterstützung beim Verkauf und bei der Verbreitung von ak, bei der (unbezahlten) Mitarbeit etc. Es ist klar, dass wir das Maß an Verbindlichkeit und Kontinuität, auch der unbezahlten Unterstützung, das bisher zum Funktionieren von ak nötig war, nicht einfach ersetzen können. Wir müssen Möglichkeiten der Beteiligung finden, die temporär oder sporadisch sind - und die ak trotzdem tragen können. Zumindest die nächsten zehn oder 20 Jahre.

ak ist ein prekäres Projekt in prekären Zeiten. Aber wir haben im letzten Jahr gesehen, wie schnell scheinbar erstarrte gesellschaftliche Verhältnisse wieder in Bewegung geraten können. Das gilt auch für ak. Die Zeitung ist so gut und so stark, wie die linken Bewegungen sie machen. Wir hoffen also auf eure Unterstützung. Wir glauben, es lohnt sich.

Eure ak-Redaktion

Wir freuen uns über Mails an die Redaktionsadresse redaktion@akweb.de. Aber auch Briefe werden beachtet.

Wir wollen keinen "Schreibtischblick" auf die sozialen Bewegungen werfen, sondern Auseinandersetzungen so führen, dass sie Gebrauchswert für die politische Praxis haben.

Wir wollen wissen: Was sind eure Erwartungen und Wünsche an eine linke Monatszeitung? Welche Themen sind euch wichtig, was kommt euch zu kurz? Was nervt euch an ak?