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Verein fuer politische Bildung, Analyse und Kritik e.V.

ak logo ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 603 / 17.3.2015

Jenseits von Indien

Diskussion Wohin öffentliche Debatten um sexualisierte Gewalt noch immer nicht führen

Von Nina Kullrich

Mehr als zwei Jahre sind vergangen seit der Vergewaltigung und Ermordung der 23-jährigen Physiotherapiestudentin Jyoti Singh Pandey in Delhi am 16. Dezember 2012. Sechs Männer hatten die junge Frau in einem Privatbus gemeinschaftlich vergewaltigt und gefoltert, ihren Begleiter bewusstlos geschlagen und anschließend beide aus dem Fahrzeug geworfen - zwei Wochen später erlag die Studentin ihren schweren inneren Verletzungen.

Dieses Datum markiert eine Zäsur im westlichen medialen Diskurs zu Indien und zu sexualisierter Gewalt. Die hiesige Berichterstattung attestierte Indien damals einen Sexismus, der traditionell verankert und durch Modernisierungsprozesse verstärkt worden sei. (siehe hierzu ak 579) Indem der mediale Mainstream weiterhin keinerlei Parallelen zieht zur westlichen Kultur der Vergewaltigung, bleiben alle Analysen paternalistisch und neokolonial, verschenken sämtliches Potenzial zu einem selbstkritischen, solidarischen und internationalen Kampf gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt. In diesem Artikel werden (nicht nur) kritische Stimmen aus Indien dem westlichen Mainstream gegenübergestellt.

Ungebetene Ratschläge

Unbehelligt eine Straße entlanglaufen oder Bus fahren können - das sollte für jede Frau selbstverständlich sein, forderte US-Präsident Barack Obama in seiner Rede als Ehrengast der Parade zum indischen Nationalfeiertag in Neu Delhi am 26. Januar 2015. Die Kampagne »Stop Street Harassment« würde sich diesem Statement sicher anschließen; gerade erst versuchte sie, das Ausmaß sexueller Belästigung im öffentlichen Raum mithilfe einer landesweiten Studie zu erfassen - allerdings in den USA, nicht in Indien. Auch Bundespräsident Joachim Gauck berichtete nach seinem Indienbesuch im Februar 2014, dass die Einstellung großer Bevölkerungsgruppen zu Frauenrechten »mehr als kritikwürdig« sei. Immerhin gebe es eine aktive Zivilgesellschaft, die Missstände anprangere. »Wir müssen denen die Debatten nicht beibringen«, ergänzte er. Auch wenn »wir« dazu zweifelsfrei in der Lage wären: Dabei sind für Gauck öffentliche Diskussionen um Sexismus in Deutschland (Hashtag »Aufschrei«) bloßer »Tugendfuror« und »eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen hierzulande nicht zu erkennen«, wie der Bundespräsident dem Spiegel vom 3. April 2013 mitteilte.

Auch Teile der akademischen Elite in Harvard fühlten sich befähigt - und berufen: Im Februar 2013 gründete sich die wissenschaftliche Arbeitsgruppe »Beyond Gender Equality« mit dem Ziel, nach der Vergewaltigung und Ermordung der jungen Studentin in Delhi »Indien und anderen Ländern Südasiens« Empfehlungen gegen Geschlechterdiskriminierung auszusprechen. (1) Eine Gruppe indischer Feministinnen, darunter Vrinda Grover, Mary E John, Kavita Panjabi, Shilpa Phadke, Shweta Vachani und Urvashi Butalia, bedankte sich in einem offenen Brief bei ihren »Schwestern« dafür, die indische Regierung dabei zu unterstützen, die Empfehlungen des »Verma Comittees« (2) zu implementieren. Sie betonen sarkastisch, dass indische Feministinnen wie sie selbst, die seit Jahrzehnten in Frauenkämpfe vor Ort involviert sind, wohl kaum dazu in der Lage wären, Kommission und Regierung kritisch zu begleiten. Mit einer »überwältigenden Erleichterung« hätten sie daher die Ankündigung ihrer Schwestern zur Kenntnis genommen, für sie »in die Bresche zu springen«. (3)

Nach den ersten medialen Spitzenleistungen westlicher Doppelmoral wagte Emer O'Toole im britischen Guardian einen Perspektivwechsel und Kritik an der neokolonialen Berichterstattung. Sie blickt nicht nach Delhi, sondern nach Steubenville, Ohio: Dort wurde am 11. August 2012 eine 16-jährige Schülerin von einer Gruppe Footballspieler vergewaltigt. O'Toole erinnert an die landesweiten Proteste in Indien; in Steubenville, Ohio, dagegen wurde die Betroffene zuerst öffentlich gedemütigt, und erst vier Monate später fanden die Vorkommnisse landesweite Aufmerksamkeit, nachdem die Bloggerin Alexandria Goddard recherchiert hatte. (4)

O'Toole zitiert auch einen Artikel der BBC, der schockiert eine Statistik anführt, nach der in Delhi 625 Vergewaltigungen pro Jahr registriert werden. Und sie ergänzt: In England und Wales sprechen Statistiken von einer Rate, die proportional gesehen vier Mal so hoch ist. Auch das Wall Street Journal beklagte die Tatsache, dass nur etwa ein Viertel aller angezeigten Vergewaltigungen in Indien verurteilt werden - in den USA allerdings führen nur 24 Prozent aller angezeigten Vergewaltigungen überhaupt zu einer Verhaftung, von einer Verurteilung ganz zu schweigen.

Die Medien bevorzugen Fälle mit »Sensationspotenzial«

Auch eine deutsche Studie besagt, dass nur 13 Prozent aller angezeigten Vergewaltigungsdelikte zu einer Verurteilung führen. Sicher sagen öffentliche Zahlen im Allgemeinen zu wenig über gesellschaftliche Realitäten und Bedingungen von sexualisierter Gewalt aus, doch wenn sie als Argumente in einer Debatte dienen, sollten zumindest die Relationen berücksichtigt werden.

Die Journalistin Noopur Tiwari bemängelt, dass nur diejenigen Fälle sexualisierter Gewalt von Medien aufgegriffen werden, die ein besonders hohes »Sensationspotenzial« aufweisen - Gruppenvergewaltigungen, Mord, prominente Täter oder Betroffene. Sie kritisiert zudem, wie Debatten über Vergewaltiger von den Diskursen der Bestialität und des Wahnsinns bestimmt werden. Dadurch würden »Monster« an den Rand der Gesellschaft gestellt und »die Männer an unserem Arbeitsplatz, zu Hause oder im Bett« geschützt.

Kavita Krishnan von der All India Progressive Women's Association (AIPWA) fordert, dass die Frauenbewegung Vergewaltigungen als patriarchalische Machtverbrechen entmystifizieren müsse; sie seien keine Verbrechen gegen Unschuld, Keuschheit oder Eigentum. Frauenbewegungen müssten Maßnahmen fordern, die bewirken, dass die Sicherheit von Frauen nicht an die Ehe gebunden ist, und den Staat verpflichten, den Frauen Zugang zur Lohnarbeit mit allen Rechten am Arbeitsplatz zu verschaffen, Krippenplätze bereitzustellen, ihr Recht auf Land und andere Ressourcen zu garantieren sowie allgemeine Gleichheit zwischen den Geschlechtern herzustellen; kurzum: Bedingungen zu schaffen, die die Autonomie von Frauen fördern und entwickeln helfen.

Solche Maßnahmen seien explizit von dem zu unterscheiden, was im neoliberalen Kontext als Empowerment bezeichnet wird (wie etwa staatlich geförderte Arbeits- und Hilfsprogramme oder die Mikrofinanzindustrie). Von linksradikaler Politik fordert Krishnan, dass diese nicht nur gewaltsame Angriffe auf Frauen an sich bekämpft, sondern auch die materiellen und ideologischen Strukturen, die solche Gewalt begünstigen: darunter alle Formen der Zwangsheirat, die sexuellen und reproduktiven Arbeitsverhältnisse innerhalb und außerhalb von Ehe und Haushalt, Kontrolle über die sexuelle und persönliche Autonomie der Frauen und die (»gut gemeinte«) Kultur der patriarchalen »Beschützerhaltung« gegenüber Frauen. (5)

»Wie kann man begreifen, was zwischen Männern und Frauen in Indien auf so schockierende Weise nicht stimmt? Kann man es begreifen?« fragte Zeit-Redakteur und Indien-Korrespondent Jan Roß in einem Online-Artikel vom 13. Juni 2014. Ob Vergewaltigungen in Indien häufiger sind als in anderen Ländern, könne er zwar schwer sagen, auch weil die offizielle Statistik dagegen spreche. Allerdings: »Definitiv indisch ist die Neigung von Politikern, das Problem zu leugnen oder zu verharmlosen, nach dem Motto: So sind Jungs nun mal. Oder: Das Fernsehen ist schuld. Oder: Warum müssen Mädchen auch nach acht Uhr abends noch auf der Straße sein?« (6) Anstatt immer dieselben Zuschreibungen vorzunehmen, wäre es doch wünschenswert, in deutschen Debatten um sexualisierte Gewalt in Indien zumindest ab und an der Frage zu begegnen: Wie könnte ein gemeinsamer solidarischer Kampf aussehen? Sexualisierte Gewalt als besondere Eigenart einer »indischen Kultur« zu präsentieren, ist nichts als Hohn und Angriff auf Frauenrechte weltweit. Sinnvoll dagegen wäre es aufzuzeigen, wo sich patriarchale Machtstrukturen und Argumentationsweisen ähneln, wo Vergewaltigungskulturen und -mythen aufzubrechen sind.

»Schlampen« mit »Opfer-Abo«

Zur Ermordung der Journalistin Soumya Vishwanathan im September 2008 erklärte Sheila Dikshit, damalige Regierungschefin Delhis, öffentlich, dass Frauen, die nachts alleine auf die Straße gingen, zu »abenteuerlustig« seien. (7) Am 24. Januar 2009 attackierten 40 Aktivisten des Sri Ram Sena (wörtlich: »Armee des Lord Ram«, eine in den späten 1960ern gegründete hindunationalistische Organisation) Frauen in einer Bar in Mangalore, da diese gegen »traditionelle indische Werte« verstoßen hätten, indem sie rauchten oder Alkohol tranken. Nirmala Venkatesh, Mitglied eines von der National Commission for Women (NCW) eingesetzten Teams zur Aufklärung des Falles sah die betroffenen Frauen selbst in der Schuld, schließlich hätten sie zur Musik einer Band getanzt und dabei freizügige Kleidung getragen. Diese Praxis des sogenannten Victim Blaming führte zwei Jahre später auch in vielen anderen Ländern zu Protesten, die unter dem (durchaus kontroversen) Begriff »Slutwalk« auf die Straße getragen wurden. (ak 576) In einem öffentlichen Vortrag an der Osgoode Hall Law School der York University in Toronto hatte ein Polizeibeamter die Auffassung vertreten, dass »Frauen es vermeiden sollten, sich wie Schlampen anzuziehen, um nicht zu Opfern zu werden.«

Als Tarun Tejpal, Herausgeber des indischen Tehelka Magazines, in dem Geschlechterungleichheiten regelmäßig kritisiert werden, von einer jungen Kollegin wegen eines sexuellen Übergriffs angezeigt wird, entschuldigt er sich zunächst lapidar bei der Betroffenen, um später seine selbstauferlegte »Strafe« zu verkünden: Er wolle sich für sechs Monate von seiner leitenden Position »freistellen«. Seit der Fall vor Gericht verhandelt wird, diffamiert er die Betroffene als Lügnerin, möglicherweise »Agentin der faschistischen Hindutva Brigade«, die ihm »politischen Schaden« zufügen wolle.

Parallelen zur medialen Verhandlung der Fälle Kachelmann, Strauss-Kahn oder Assange sind unverkennbar. In allen drei Fällen wurden Betroffenenberichte systematisch bezweifelt und unter den Generalverdacht der Falschaussage gestellt. Kachelmann hatte u.a. im Spiegel (Oktober 2012) pauschal unterstellen dürfen, Frauen würden in unserer Gesellschaft ein »Opfer-Abo« genießen. Medienberichte über Assange rückten mögliche politische Kampagnen gegen WikiLeaks oder vermeintliche schwedische Rechtslagen zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr in den Mittelpunkt der Diskussionen, anstatt Sex ohne Einverständnis als Vergewaltigung zu benennen. (8)

Dinanath Batra, ehemaliger Lehrer, Schulleiter und Berater der indischen Regierung in Bildungsfragen, sprach sich kürzlich im Sunday Standard (Delhi) gegen Sexualkundeunterricht an Schulen aus. (9) Seiner Meinung nach reiche es, wenn Kinder zum Zeitpunkt der eigenen Hochzeit alles über das »reproduktive System« erfahren. Diese Äußerung erinnern an die aktuell von rechtspopulistischen und rechtskonservativen Kreisen dominierte Debatte um den Bildungsplan zu sexueller Vielfalt, bei der besorgte bzw. besorgniserregende Eltern gemeinsam mit dem Magazin Compact gegen »Frühsexualisierung« und »Gender Ideologie« mobil machen. (10)

Goldy George stellt die Frage, ob Massenproteste und Medienecho nach dem 16. Dezember 2012 ähnlich lautstark gewesen wären, wenn das Opfer eine Dalit (Selbstbezeichnung der früher auch als »Unberührbare« bezeichneten, aus dem Kastensystem als »unrein« ausgeschlossenen und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen) oder Adivasi (Selbstbezeichnung verschiedener indigener Gesellschaftsgruppen) gewesen wäre - und führt erschreckend viele Fälle sexualisierter Gewalt, Folter und Mord an, bei denen die »hochkastige Mittelklasse« Indiens sich nicht sonderlich empört zeigte. (11) Vani und Vinita vom autonomen feministischen Kollektiv Saheli berichten von einer hohen Anzahl an Übergriffen auf junge Dalit-Mädchen in Haryana, die auf dem Weg zur Schule von höherkastigen Männern vergewaltigt werden. Sie betonen, dass gerade Mädchen und Frauen, die sichtbarer werden im öffentlichen Leben und der Arbeitswelt und jenseits von Kastenschranken ihr Leben emanzipatorisch gestalten, vermehrt von sexuellen Übergriffen betroffen sind. »Viele Sicherheitsmaßnahmen, die jetzt getroffen werden, zielen in erster Linie auf den Schutz von Frauen aus höheren Gesellschaftsschichten vor Männern der niedrigeren Klasse«, kritisiert Vinita.

Im Fall der Vergewaltigung und des Mordes einer 65-jährigen Frau wies das Oberste Gericht in Delhi in seinem Urteil darauf hin, dass die Tote sich zum Zeitpunkt der Vergewaltigung bereits »in der Menopause befunden hatte«. Die Verletzungen der Vagina deuteten dem Gericht zufolge »auf gewaltvollen, nicht aber auf mit Gewalt erzwungenen Sexualverkehr« hin, da der restliche Körper keine Kampfspuren (!) aufwies.

Militante Gegenwehr

Auch in deutschen Gerichtssälen spielen Mythen bei der Beurteilung von Vergewaltigungsdelikten eine wichtige Rolle. Zu Faktoren wie »Konsum von Alkohol« oder »Beziehung zum Täter«, mit denen die Glaubwürdigkeit der Betroffenen bezweifelt wird, addieren sich weitere Vorurteile und Stereotype, wenn etwa Migrant_innen, Sexarbeiter_innen, Drogenkonsument_innen, Trans*Personen, Lesben oder Menschen mit Psychiatrieerfahrung Anzeige erstatten. Auch die deutsche Asylpolitik schafft ein System von Macht-und Abhängigkeitsverhältnissen, in denen insbesondere in Lagern untergebrachte Frauen vermehrt von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Unterstützung finden diese oft nur in selbstorganisierten Gruppen wie Women in Exile. Sicher verkündete auch der ehemalige Generalstaatsanwalt Karge in der ARD-Talkrunde »Anne Will« (1. August 2010) zum Fall Kachelmann nicht ohne Grund, er würde seiner eigenen Tochter im Zweifelsfall raten, »nicht zur Polizei zu gehen. Für die Frauen ist es eine Tortur, sie werden in einem solchen Prozess durch die Mangel gedreht.«

Mitten in die Debatten um Schutz (durch Videoüberwachung) und um Strafe (z.B. Todesurteile) stellt Manisha Sethi, die an der Jamia Millia Islamia University in Delhi lehrt, die Frage, ob Frauen tatsächlich ihre Sicherheit im öffentlichen Raum der Polizei überlassen wollen. Diese Frage stellten sich auch autonome Unterstützer_innen in Deutschland. Anhand von Konzepten wie Definitionsmacht und Parteilichkeit haben sie einen Umgang mit Betroffenen und Tätern entwickelt, der eine Gegenmacht zu den gängigen Verfahren der Staatsmacht darstellt.

In Indien bekämpft eine Gruppe von mittlerweile mehreren Hunderttausend Frauen Polizisten und Behörden, die Gewalt ausüben oder sich weigern, Vergewaltigungsfälle zu untersuchen - auch mit sogenannten Lathis, Schlagstöcken aus Bambus, die üblicherweise von der Polizei selbst eingesetzt werden. Nishta Jain, die einen Dokumentarfilm über die »Gulabi Gang« (2012) produzierte, weist zwar darauf hin, dass die Frauen »nur« innerhalb patriarchalischer Strukturen aktiv sind, doch sie intervenieren, greifen existierende Strukturen in ihrem direkten Umfeld an. Schützenswert, fasst Kavita Krishnan zusammen, sei Freiheit ohne Angst - und nicht eine Sicherheit, die darin bestehe, dass patriarchalische Gesetze und Institutionen Frauen einen Verzicht auf Autonomie vorschreiben.

Nina Kullrich promoviert zum Thema Hautaufhellung in Indien. Von Januar bis Mai 2014 forschte sie in Delhi.

Anmerkungen:

1) hcwc.wordpress.com/2013/02/15

2) Das Justice Verma Committee wurde im Dezember 2012 von der indischen Zentralregierung beauftragt, Vorschläge für eine Novellierung des Strafrechts zu erarbeiten, damit Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung strenger verfolgt und bestraft werden können.

3) kafila.org/2013/02/20

4) thelede.blogs.nytimes.com/2013/03/18

5) Fleig, Kumar, Weber (Hg.): Speak up! Sozialer Aufbruch und Widerstand in Indien. Assoziation A, Hamburg 2013, Seite 154-165.

6) www.zeit.de/2014/25

7) www.tehelka.com

8) stavvers.wordpress.com

9)www.newindianexpress.com

10) dasendedessex.de

11) www.countercurrents.org

Indiens Töchter?

Über die Vergewaltigung und Ermordung von Jyoti Singh Pandey drehte die Britin Leesle Udwin einen Dokumentarfilm für die BBC und den indischen Sender NDTV mit dem Titel »India's Daughter«. Hierzu sprach sie u.a. mit Jyotis Eltern, Prozessbeteiligten, den Familien der Täter und einem der vier zum Tod durch Erhängen Verurteilten. (www.guardian.com) Der Film sollte in sechs Ländern zum Internationalen Frauenkampftag am 8. März gesendet werden. Eine Vorführung in New York war geplant als Auftakt von »India's Daughters«, einer an die Dokumentation angelehnten globalen Kampagne zu Geschlechterungleichheit und Gewalt gegen Frauen. Nun wurde die Ausstrahlung in Indien gerichtlich verboten. Vrinda Grover, Anwältin für Menschenrechte und Frauenrechtsaktivistin, distanziert sich deutlich von den Motiven des indischen Gerichts und Parlaments, die in dem Film »einen Angriff auf die Würde der Frauen« und »eine Gefahr für die öffentliche Ordnung« sahen. Sie spricht sich jedoch dafür aus, den Film erst nach Ende aller Gerichtsverfahren gegen die Täter zu zeigen. Zudem betont sie, dass der Film Hetzreden gegen Frauen verbreite und in ihm zu Gewalt aufgerufen werde. Kavita Krishnan (AIPWA) kritisiert auch den Titel des Films, der Frauen als Töchter bezeichnet - genau gegen diese Art von patriarchaler Beschützerhaltung würden Frauen auf den Straßen protestieren. Auch fragt sie zu Recht, weshalb eine globale Kampagne zur Gewalt gegen Frauen ausgerechnet »India's Daughters« heißen soll. Ihr Beitrag für die Onlinezeitung DailyO trägt den Titel »Wir wollen Solidarität und keine zivilisatorische Mission«. (www.dailyo.in)